Weiterbildung finanzieren: Tipps und Tricks

Eine Weiterbildung kann dir viel bringen – verlangt dir aber auch viel ab. Disziplin, Zeit, Grips und Schweiss. Nicht zuletzt: Geld. eggheads.ch zeigt dir Wege auf, wie du Kurs, Seminar oder Lehrgang finanzieren kannst.

Benjamin Franklin frei übersetzt: Weiterbildung lohnt sich

Weiterbilden lohnt sich

Dein Entschluss, eine Weiterbildung zu besuchen, ist felsenfest. Nun stellt sich die Frage, wie du das Geld dafür zusammen bekommst. Vielleicht ging dir der gleiche Gedanke durch den Kopf, wie diesem Zeitgenossen auf Twitter.

Ein Certificate of Advanced Studies (CAS) kostet durchschnittlich rund CHF 7500, ein Diploma of Advanced Studies (DAS) rund 15’000, für einen Master of Advanced Studies (MAS) werden durchschnittlich rund CHF 25’000 fällig und für einen Master of Business Administration (MBA) oder einen Executive Master of Busines Administration (EMBA) rund CHF 33’000. Wobei die prestigeträchtigsten das Zwei- oder Dreifache davon kosten können.

Mit anderen Worten:

  • CAS: rund so viel wie ein Schweizer durchschnittlich im Monat verdient.
  • DAS: so viel wie ein Gebrauchtwagen kostet.
  • MAS: so viel wie ein Mittelklassewagen
  • EMBA/MBA: ein Luxusauto

Diese Kosten werden für die Kursgebühren fällig, dazu kommen möglicherweise Gebühren für die Zulassung oder Prüfungen. Nicht zu vergessen sind Ausgaben für Lehrmittel, Verpflegung, allfällige Übernachtungen oder Studienreisen. Substanziell auswirken können sich allfällige Lohneinbussen, wenn du das Arbeitspensum reduzierst.

Entsprechend den substanziellen Kursgebühren für eine Weiterbildung und dem hohen Stellenwert, den Schweizerinnen und Schweizer der Arbeit beimessen, beläuft sich der Gesamtumsatz mit Kursen, Seminaren, Lehrgängen und anderen Programmen auf jährlich 5,3 Mrd. Schweizer Franken (Quelle).

Umsatz Weiterbildung Schweiz

Der Umsatz mit Weiterbildung in der Schweiz beträgt rund 5,3 Mrd. Schweizer Franken.

 

Zum Vergleich: Die Hotellerie der Schweiz, die der eigene Branchenverband als Rückgrat des Tourismus bezeichnet, erwirtschaftet einen jährlichen Umsatz von über 10 Milliarden Franken (Quelle).

Die Hotellerie setzt gut doppelt so viel im in der Schweiz wie die Weiterbildung

Die Hotellerie in der Schweiz (im Bild das Grandhotel Griessbach) setzt gut zwei Mal so viel um wie die Weiterbildung: gut CHF 10 Mrd. jährlich.

eggheads.ch zeigt dir nun Wege auf, wie du deine nächste Weiterbildung finanzieren kannst.

 

1. Selbstzahler

In weiser Voraussicht hast du Geld zur Seite gelegt, auf das du zugreifen und für deine Weiterbildung einsetzen kannst. Wenn sich dir diese Möglichkeit bietet, bist du weniger abhängig von anderen wie z.B. Arbeitgebern oder Stipendien. Tipp: vergiss nicht, die Weiterbildungskosten bei der Steuererklärung anzugeben, so musst du dem Steueramt weniger abliefern. Erfahre in unserem Blogpost, was in deinem Kanton gilt.

 

2. Arbeitgeber

Eine berufliche Weiterbildung bringt Angestellte und Arbeitgeber weiter: darum sind Unternehmen in der Regel interessiert, sich an der Weiterbildung ihres Personals zu beteiligen. Gut zwei von drei Erwerbstätigen gaben bei der letzten Umfrage des bfs 2011 an, dass sie ihr Arbeitgeber bei einer Weiterbildungsaktivität unterstützt hat. Am häufigsten beteiligen sich Arbeitgeber an nicht-formalen Weiterbildungen, d.h. Aktivitäten, die zu keinem Diplom führen wie Kurse, Seminare, oder Workshops (Quelle).

Je mehr neu erworbenes Wissen und neue Fähigkeiten deinem Brötchengeber bringen, umso grösser dürfte die Beteiligung deines Arbeitgebers ausfallen. Zusammen mit deinem Chef solltest du die Ziele der Weiterbildung vereinbaren und schriftlich festhalten:

  • welchen Betrag an den Kursgebühren er übernimmt
  • ob die Unterrichtszeit als Arbeits- oder Freizeit anzurechnen ist und
  • wie lange du dich für das Unternehmen verpflichtest. Als Faustregel lässt sich sagen, dass der Nutzen aus neu erworbenen Skills nach zwei bis drei Jahren nachlässt.

 

3. Stipendien vom Kanton

Unterstützung für die Ausbildung und Weiterbildung kommt von der öffentlichen Hand. Indirekt unterstützt der Staat, indem er Angebote subventioniert und indem er die Weiterbildungskosten bei der Steuererklärung als Abzug gelten lässt. In der Schweiz sind die Kantone zuständig für die Vergabe von Stipendien, entsprechend unterscheiden sich beispielsweise Anforderungen und die effektiv ausgesprochenen Beteiligungen. Die Stipendieninitiative, die Stipendien national harmonisieren wollte, haben Schweizer Stimmbürger am 4. Juni 2015 abgelehnt. In der Regel stehen Beiträge für die Ausbildung im Vordergrund. Am besten klärst du in deinem Wohnkanton ab, ob du Chancen auf öffentliche Stipendien hast, um deine Weiterbildung zu finanzieren.

Hier findest du eine Übersicht der kantonalen Stipendienstellen

 

4. Stipendien von Stiftungen

In der Schweiz existieren rund 13,000 Stiftungen, die über ein Vermögen von rund CHF 70 Milliarden verfügen (Quelle). Einige haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Aus- und Weiterbildung zu fördern. Entscheidend ist jeweils der Stiftungszweck und ob du die nötigen Anforderungen erfüllst. Im Stiftungsverzeichnis des Bundes findest du eingetragene Stiftungen. Tipp: beantrage nur dort ein Stipendium, wo du alle Bedingungen erfüllst. So hast du die grössten Chancen, deine Weiterbildunng zu finanzieren.

 

5. Weiterbildungskredit von Banken

Banken und andere Akteuere des Kapitalmarktes haben Angebote entwickelt, die sich gezielt an Weiterbildungswillige richten. Wie bei einem üblichen Kredit gehst du mit dem Geldgeber einen Vertrag ein: er prüft deine Kreditwürdigkeit (Bonität), vereinbart mit dir Zinssatz und Laufzeit. Da wir keine Kreditexperten sind, empfehlen wir dir, das Kleingedruckte genau zu lesen.

Eine Auswahl von Anbietern:

Credit-Now Cashgate Bob Money
Laufzeit6 bis 48 Monate12 bis 60 Monate 6 bis 120 Monate
Zinssatz 6,9% 7,4% 8,9%
Kreditlimit (in CHF) 2’000 bis 40’000 ab 5’000 1’000 bis 80’000

 

6. Weiterbildungskredit von der Crowd

Geld gibt’s heute nicht mehr nur von Banken: als Alternative etabliert sich “die Crowd” – also potenziell jedermann. Wenn Einzelne ihr Geld gegen einen Zins für eine bestimmte Laufzeit zur Verfügung stellen, spricht man von Crowdlending. Wie die Crowdfunding-Studie 2015 der HSLU zeigte, verzeichnete dieser Bereich das grösste Wachstum: er stieg von 1,8 Millionen CHF im Jahr 2013 auf 3,5 Millionen CHF ein Jahr später (+95%). Für dieses Volumen waren 214 Kampagnen verantwortlich. Trotz stolzen Wachstumsraten steckt Crowdlending im Vergleich zu den knapp CHF 3,9 Milliarden im Konsumkreditmarkt aber noch in einem frühen Stadium (Quelle).

Uns von eggheads.ch gefällt die Idee, dass sich eine Community gegenseitig unterstützt, um eine Weiterbildung zu finanzieren. Wir teilen den gleichen Spirit. Darum sind wir eine Zusammenarbeit mit dem Fintech-Startup Splendit eingegangen. Splendit ist spezialisiert auf Crowdlending für die Ausbildung und Weiterbildung (mehr über unsere Kooperation).

 

Hast du die Finanzierung geregelt? Tipps und Tricks, wie du mehr aus deiner Investition machst, erfährst du in diesem Blogpost.

Bleib neugierig.

 

Photo Credits: thanks to pixabay, Wikimedia

3 Gedanken zu “Weiterbildung finanzieren: Tipps und Tricks

  1. Toller Artikel mit ganz wichtigen Informationen und Hinweisen. Das wird dem ein oder anderen sicherlich ein ganzes Stück weiter helfen, zumal in diesem Bereich ja doch immer wieder Fragen aufkommen.

  2. Ein weiterer Tipp:
    Ab 2017 will der Bund ausseruniversitäre Weiterbildungen fördern, die in einen eidgenössischen Fachausweis münden. Bis zu 50% der Kurskosten will der Bund erstatten. Bislang kostet z.B. eine Ausbildung zum Werbetexter (auf CAS-Niveau) gleichviel wie ein CAS, etwa 10.000 Franken. Nach Abzufg der Bundesförderung dann nur noch CHF 5000.
    Aktuelle Informationen (direkt vom Bund) finden Sie hier: https://www.sbfi.admin.ch/sbfi/de/home/themen/hbb/finanzierung/teilnehmende-und-absolvierende.html

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